Sonntag, 12. Juli 2015

Weidach (Leutaschtal) 3. bis 11. Juli 2015

Ich hab mir lange überlegt, was ich zum Anziehen mitnehmen soll. In die Berge nimmt man normalerweise natürlich etwas Warmes schon auch mit, sowie eine vernünftige Jacke.
Aber bei den Temperaturen?
Die Wettervorhersage brachte bis auf Mittwoch an jedem Tag strahlende Sonne und Temperaturen kurz vor dem Schmelzpunkt.
Also nur ein Stoffjackerl und leichte Leiberl eingepackt und los ging die Reise.
In München um halb 9 aus dem Haus, es war bereits boilheiß und ich hab mir gedacht: Das kann ja heiter werden.
Als der Zug losfuhr, bewölkte sich der Himmel mehr und mehr, in Starnberg war er nicht mehr schön und hinter Tutzing fuhren wir voll in ein Gewitter.

Jetzt ist es ja so, daß eine Gewitterwolke auch mal ein Ende hat.
Sollte man meinen.
Aber kaum wähnte ich das Gewitter hinter uns, fing vor uns das nächste an.
Und so ging das bis Garmisch, danach ließ es ein kleines bissl nach hatte ich das Gefühl.

In Mittenwald traf ich meine völlig aufgelöste Vermieterin, sie hatte daheim noch schnell die Blumen und Dekoartikel hereingeholt weil es im Rundfunk eine Hagelwarnung gegeben hatte. Bei der Fahrt durch Scharnitz in Richtung Leutasch hatte ich zwar das Gefühl, daß der Regen bereits nicht mehr so stark sei, aber die Warnungen im Radio wurden weiter aufrechterhalten.
Auf der Hinfahrt, erzählte meine Vermieterin, sei der Regen so stark gewesen, daß die Scheibenwischer ihn nicht mehr weggekriegt hätten.
Das war ja mal ein schöner Empfang.

Nach etwa einer Stunde jedoch war das Gewitter in unserer Gegend durch und der Regen hörte auf - so daß ich gemütlich zum Einkaufen gehen konnte.

Gleich einmal eine Menge Geld ausgegeben, Freitagnachmittag hat mein Lieblingsladen in Kirchplatzl drüben auf, und die habe SO leckere Sachen, am liebsten würd ich jedesmal den halben Laden mitnehmen, aber ich kann natürlich nur immer soviel kaufen, wie ich auch tragen, und vor allem essen kann.



Nach einer ausgiebigen Jause hab ich dann noch mein Schwimmbad besucht - das nächste Mal aber unbedingt wieder mit Ohrstöpseln. Ich hab den Eindruck, das Gekreische da drin wird jedes Jahr schlimmer. Was vielleicht daran liegt, daß ich im 13-er Jahr meist mittags drin war, da sind die Blagen noch in der Schule. Aber wenn ich in der Früh zum Wandern geh dann bin ich vor dem Nachmittag nicht zurück - und dann ist es die Hölle da drinnen.
Kann man aber nicht ändern, es ist das einzige Schwimmbad im Ort - und immerhin ist der Eintritt für Sommergäste kostenlos, da kann man nicht meckern. Tu ich natürlich trotzdem, hört ja keiner bei dem ohrenbetäubenden Geplärr.

Auf dem Weg zum Bad kam ich an mehreren Gehöften vorbei wo gerade Holz gesägt wurde. Bei meinen Spaziergängen in Deutschland ist das ja immer so furchtbar wenn man durch diese angeblich so ruhigen Siedlungen geht. Der eine Depp mäht in voller Lautstärke seinen Rasen, der zwar nur Handtuchgröße hat aber das hält ihn nicht davon ab, fast eine Stunde dafür zu brauchen bis jedes Hälmchen sitzt wie die Frisur von Hansi Hinterseer. Zwei Häuser weiter läßt der nächste Depp seine Kreissäge kreischen, immer und immer und immer wieder, damit auch ja alle was davon haben.

Mein Vater war da auch der King. Fast jedes Wochenende rausgefahren in den Wald, Holz gemacht und daheim genüßlich zersägt. Die großen Trümmer mußten davor natürlich erst zerkleinert werden, dazu trieb er einen Keil obenrein auf den er dann mit dem Beil mehrmals tüchtig draufhaute bis der Spalt langsam größer wurde und er die beiden Hälften auseinanderreißen konnte. Da man dies nicht alleine machen konnte, hatte ich oft genug die Ehre, ihm dabei assistieren zu 'dürfen'. Eine Sauarbeit also insgesamt, vor allem als er die Kreissäge noch nicht hatte und alles mit der Hand gesägt werden mußte. Hab noch den alten rostigen Fuchsschwanz im Kasten, zur seligen Erinnerung.

Na und da lauf ich an diesen Tirolern vorbei und staune mit offenem Mund, was die da für tolle Maschinen haben! Der eine stellt da die Klötze einfach hin, von oben kommt das Sägeblatt an, macht mmmmmmmm - fast völlig lautlos!!! - und schon isses durch! Dann dreht er das Ganze um 90° - mmmmmmmmmm und schon kann er vier Scheite in die Scheibtruhe legen. Nächsten Klotz mmmmmmm  mmmmmmm und wieder vier Scheite fertig. Ich konnte mich garnicht losreißen, der Bauer guckte schon so komisch, der wird sich gedacht haben was will die denn von mir? Ja garnix, mich hätte lediglich interessiert was sowas kostet und wie lange es das schon gibt.



Der nächste Bauer dann, der hatte hinten an seinem Trecker auch so eine Vorrichtung, da kam von oben ein Keil - splarz - und der Stamm war gehälftet und konnte auseinandegezogen werden. Die Hälfte wieder drunter - splarz - und zwei schöne Scheite waren fertig, nochmal splarz und fertig!
Ja Hammer! Und da meint man immer, die Tiroler Bauern sind so arm. Diese Teile kosten doch sicher eine Lawine!

Samstag 4. Juli:
Auch dieser Tag fing nicht sehr schön an. Abends zuvor nicht wie geplant um 8 ins Bett gehen können, weil die über mir da erst heimkamen und das nicht leise.
Dann nachts um 2 aufgewacht mit Bauchschmerzen. Ganz sicher die Kirschen vom M-Preis!
Als ich gegen morgen grad nochmal weggepennt war, fingen die oben das Rumlärmen an. Um Viertel nach sechs!!!

Wollte dann wenigstens ein bissl an den See, also um Neune sowas raus.




Bin dann doch bis nach Obern gewandert, schön durch den Wald, Erdbeeren genascht, Fotos gemacht, mit Fred rumgealbert (er hat ein eigenes Häuschen im Wald) ...








Der Weg ist ein Traum.










Hier ist ein absolutes Lieblingsplätzchen von mir. Man sitzt auf der Bank, es kommt fast nie jemand vorbei, traumhafte Stille und das Zirpen der Grillen, so wunder- wunder- wunderschön!











Wir gehen aber noch ein Eck weiter und biegen dann nach rechts ab aus dem Wald hinaus, Richtung Platzl.




















































Dort überqueren wir die Straße und folgen der Ache noch ein Stück bis nach Plaik.












Dort um die Ecke liegt dann auch gleich Obern.






















Im  Spar dann schön Haferflocken und Heidelbeeren gekauft. Die hab ich auf einem Bankerl am Flußufer gleich vernichtet - und bin auf der Stelle zurück um alle anderen Schachteln auch noch zu kaufen. Steirische Bio-Heidelbeeren um 1.25 - also SOWAS von lecker!

Bin dann am Fluß entlang zurückgelaufen, es war dann schon Elfe vorbei und die Sonne wurde langsam unerträglich.









In  Kirchplatzl mußte ich aber unbedingt die Kirche fotografieren weil ich die ja noch nie fotografiert hab *aaaah* ...





... und da saß doch glatt vor dem Friedhof ein kleiner Junge mitten in der brütenden Hitze im Auto. Ich bin dann tatsächlich zu den Leuten die da bei den Gräbern standen und hab sie gefragt, ob sie wissen, wem das Auto da gehört.
Der Mann so: Das ist meins, wieso?
Ja, weil ich gelesen habe, daß man keine Tiere im Auto lassen soll bei der Hitze und da ist sogar ein Kind drin.
Das ist mein Enkel, der ist 8 Jahre alt, der weiß schon, daß er das Fenster aufkurbeln muß, der is ned blöd.
Na gut, meinte ich, wenn Sie das im Griff haben ... und marschierte von dannen, die Frau hat sich wenigstens noch bedankt.
Hab dann aber gesehen, wie er doch nachdenklich wurde und zum Auto hochging.

Zur Belohnung hab ich vor dem Ganghofermuseum ein Tischchen mit lauter Büchern vorgefunden, und vier davon gleich mal 'verhaftet'.





Auf dem Heimweg von Kirchplatzl ist mir die Sonne dann aber langsam g'scheit zuviel geworden, aber was sollte ich machen, ich mußte ja heim.

Blick von hinter dem Museum zur Kirche:










Fußweg zwischen Kirchplatzl und Gasse:




Ich Depp hätte mit dem Viertel nach 12 Bus fahren können, aber ich hab nicht drangedacht. Erst als ich ihn fahren sah bei der Volksschul in Weidach, aber da war ich ja dann auch schon fast zuhause.



Endlich.
So müde ...

Sonntag 5. Juli 2015:
Gleich in der Früh Schreck in der Morgenstunde, Personal Message auf facebook: Die Kollegin liegt im Spital und es geht ihr total nicht gut. Oh weh!

Erst unterwegs während des Aufstiegs auf den hohen Sattel ist das alles so richtig eingesunken und ich hab hin und her überlegt ob ich jetzt meinen Urlaub abbrechen muß - und bin zu dem Schluß gekommen daß schon.

Aufstieg auf den Hohen Sattel:












Hab die Nummer von meinem Chef rausgekramt aber natürlich ist mitten im Wald nirgends ein Telefonhäuschen. Der Weg auf den hohen Sattel war recht kurz und schmerzlos, oben hab ich mir als allererstes den Wanderstempel geholt, deswegen bin ich eigentlich auch hier heraufgestiegen: Weil ich den Stempel noch nicht hatte, war noch nie hier gewesen. Gut, das war auch gleich das letzte Mal, der Weg ist nicht sehr inspirierend, einfach nur eine Kiesstraße durch eine Waldschlucht.

Am Hohen Sattel:






Auf der Karte geht der Weg weiter nach Scharnitz mit einer Abzweigung nach Gießenbach, in echt jedoch steht man nach wenigen Metern vor einem relativ steil abfallenden Steig, also das tu ich mir in meinem Alter nicht mehr an. Also zurück und den wenig inspirerenden Weg wieder hinab nach Ahrn.

Von dort bin ich noch ein wenig den Achweg entlangspaziert, immer auf der Suche nach einem Telefon, aber auch am Fluß findet man so etwas nicht.


Logischerweise. Dafür herrliche Motive von Berg und Wasser, ein sehr netter Spazierweg entlang der Dörfer Richtung Mittenwald.























































So rechte Freude wollte allerdings nicht aufkommen, mir ging das mit der Kollegin total im Kopf rum und ich wollte unbedingt mit meinem Chef reden um Klarheit zu haben ob ich bleiben könnte oder nicht oder was oder wie oder wer.
Aber immer noch nirgends ein Telefon.

Also heimfahren.

Die Zeit für den Bus zurück wollte und wollte nicht kommen, also bin ich schon einmal zu Fuß losgelaufen, in Richtung Heimat.

Kapelle in Reindlau:



Weg zwischen Reindlau und Puitbach:












In Puitbach fand ich dann doch endlich eine Haltestelle die im Schatten lag und ein Bankerl hatte.

Fast zuhause:


Daheim hab ich dann erstmal im facebook geguckt wie es der Kollegin geht, die Symptome sahen nicht gut aus also hab ich meiner Vermieterin das Handy abgerungen und meinen Chef angerufen. Es war allerdings jemand völlig anderer dran - da hab ich wohl die falsche Nummer aufgeschrieben gehabt oder er hat mittlerweile eine völlig andere Nummer, wer weiß es schon.

Meine Kollegin meinte dann allerdings, ich solle bleiben wo ich wär, ihr Chef wisse Bescheid und das sei genug. Naja, aber ob der auch weiß, daß ich im Urlaub bin??? So ganz recht ist mir das alles nicht und ich kann den Urlaub jetzt nicht mehr so richtig genießen weil ich eigentlich schon der Meinung bin, daß ich hätte zurückfahren sollen.

Verstehe auch nicht, warum sie mir extra eine personal message schreibt, daß sie im Spital ist, und mich damit aufscheucht und wepsig macht, wenn sie dann wieder meint, ich solle nur im Urlaub bleiben und mich erholen. Dann hätte sie es mir ja nicht extra noch schreiben müssen damit ich es nur ja mitbekomme - so befreundet sind wir nämlich sonst auch nicht, daß wir uns gegenseitig unsere Befindlichkeiten mitteilen.

Nun ist mir der Urlaub verleidet und ich würde am liebsten heimfahren, ich weiß ja was mich im Büro erwartet wenn ich nur einen Tag nicht da war, aber eine ganze Woche???

Andererseits ist es auch wieder so, daß ich seit einer Woche ein fieses Bauchgrimmen habe, das grad heute mal langsam besser wird und ich eigentlich die Erholung hier oben in der guten Luft sehr gut brauchen kann.
Also bleibe ich doch.
Vor allem hab ich mir bereits um mehr als 100 Euro Essen und Trinken gekauft, davon müßte ich das meiste stehenlassen, das zahlt mir keiner zurück.

Mal ganz abgesehen davon, daß meine Vermieterin sicher nicht begeistert gewesen wäre, wenn ich nun schon wieder mitten im Urlaub abhaue - nachdem ich bereits voriges Jahr den Septemberurlaub wetterbedingt abgekürzt hatte und nun den geplanten Juni-Urlaub kurzfristig hierher in den Juli geschoben habe.

Vielleicht hab ich ja eine Arsen-Vergiftung? Oder Cadmium? Meine Kollegin hat mir einen Link geschickt, daß die Reiswaffeln die ich seit Jahren mit Genuß knabbere, total verseucht sind. Ja danke auch. Da meint man es gut mit seinem Darm und will ihm das blähende Brot ersparen und dann sowas ...

Montag 6. Juli 2015:
Bereits um halb 5 tatendurstig aus dem Bett gesprungen, endlich kein Bauchweh mehr ... aber was ist das da draußen? Das blitzt doch nicht etwa?
Doch, tut es. Und donnert dazu ...
Gut, dachte ich mir, is mir auch lieber wenn ihr das nachts erledigt, dann muß ich wenigstens tagsüber keine Angst vor Gewittern haben.





Um Acht war es soweit fertig mit Regnen und Donnern und Blitzen, und ich bin mit dem halb-9-Uhr Bus nach Seefeld gefahren. Wollte in den Bipa aber der war noch zu. Also erst einmal diesen leckeren Apfelstrudel beim Bio-Bäcker in der Münchner Straße gekauft und mampfend in Richtung Bodenalm marschiert. Früher hab ich immer nur ein bissl abgebissen und den Rest hat Gusti erledigt, nun muß ich alles aufessen. Was mir selbstredend nicht schwer fällt. Mich dabei nicht zu bekleckern dafür um so mehr, ich hab hinterher ausgeschaut wie ein Schneemann. Voller Staubzucker. Gut, das war jetzt übertrieben, aber die Wepsen sind mir doch eine ganze Weile gefolgt.



Als Nachtisch gab's wunderbar aromatische Walderdbeeren, die zur Zeit überall wachsen wo die Sonne viel hinscheint. Und ein paar Rotkleeblüten, von denen ich vorher die Bewohner gezupft hatte.










Bei der Bodenalm angekommen genehmigte ich mir gleich noch einen Teller saure Wurst mit Zwiebeln, Gurkerl und Brot. Kaum geht es ihr besser, wird sie schon wieder übermütig ...
Ich eß das halt so gern!



Hinterher bin ich bis Gießenbach gelaufen. Bis zum Ende des Waldweges bin ich mit Gusti schon einmal gegangen, dann sind wir wieder zurück weil dann eben die Straße kam.



Von dort wollte ich eigentlich, auf der Karte sah das ganz easy aus, nach links Richtung Heimat aber da hätte ich an dieser stinkigen Straße entlang gehen müssen ... ich dachte da ist ein Fußweg. War aber keiner.







Gut, Gießenbach ist nicht weit, also Straße in die andere Richtung marschiert, und bald geht es nach links in einen Fußweg hinein, man sieht den Ort bereits vor sich liegen.


Das Dorf selbst ist kaum der Rede wert, es besteht lediglich aus ein paar Häusern und einem Gasthof. Früher hat der Zug hier gehalten, aber bereits seit einigen Jahren fährt er durch.

Für die paar Leute rentiert sich offenbar nicht einmal ein ordentliches Mistwagerl, da fährt die MA 48 einen kleinen Anhänger mit dem Trecker spazieren.






Ich hatte mich total beeilt damit ich den 1/2-Eins Bus nach Mittenwald noch krieg - und find die Haltestelle nicht! Nur die für die Gegenrichtung!

Mit hochrotem Kopf saß ich hinterher im Café Ramona und trank ein Wasser ... und beschloß, dann eben eine Stunde später in Richtung Seefeld zu fahren und gut is.


Hab ich auch gemacht - und wo war die Haltestelle nach Mittenwald??? Genau gegenüber, wo sie hingehört. Und warum hab ich die nicht gesehen?
Keine Ahnung.

Naja, bei der Hitze - mittlerweile hatte es nämlich aufgemacht und es war grad so heiß wie die Tage zuvor - wäre es mir wohl zuviel geworden, auch noch von Mittenwald bis nach Leutasch raufzulaufen, von daher war das schon ok so.

Hier bin ich im Schatten eines Baumes gestanden in Gießenbach und hab auf den Bus gewartet, vorn an der Haltestelle war es viel zu heiß.






In Seefeld bin ich am Friedhof oben ausgestiegen - der kam mir bedeutend größer vor als früher. Ist der so schnell gewachsen oder bin ich so kurzsichtig, daß ich den hinteren Teil nie bemerkt habe???



 Bin noch ein wenig durch den Ort geschlendert bis der Bus kommt, hier der Pavillon hinter dem Casino, in dem das Klo drin ist und bei dem manchmal Konzerte stattfinden am Sonntag.



















Hier das wohl berühmteste Motiv nach dem Seekirchlein, das Einhorn hinter dem Casino:






Ah schau, der Bus wartet schon.





Hinterher die übliche Schwimm-Runde drangehängt, ach tat das gut, die geschundenen Glieder im angenehmen Wasser zu entspannen - und heute hatte ich auch Ohrstöpsel drin, somit war das Kindergebrüll erträglich.




Heimweg am Achweg entlang:



Hätte die Ohrstöpsel daheim garnicht rausnehmen sollen, draußen sägt nämlich irgendso ein Depp der noch nicht mitbekommen hat, daß es diese Geräte mittlerweile auch in Leise gibt!!!

Dienstag 7. Juli 2015:
Heute gedenke ich besonders Gusti, der vor genau 11 Monaten gestorben ist.

Hohe Munde im Morgenlicht:





In der Früh um kurz nach 6 bin ich zuerst einmal rüber zum Pichler nach Gasse um ein Brot zu kaufen. Reiswaffeln sind ja giftig.





















Zum Frühstück kaufte ich mir zusätzlich einen schönen Apfelstrudel, ich muß ja jetzt einmal ernsthaft einen Vergleich machen.
Also, schlecht war er nicht, echt nicht, aber die von Reither Brot können's trotzdem besser.



Bin dann eine Weile mit Fredi und Herrn Umnus auf der drehbaren Bank auf dieser Plattform gesessen, von der aus man so schön auf den hohen Berg raufschauen kann. Im Fall daß mal ein Adler oder so vorbeikommmt.

Weg zwischen Gasse und Kirchplatzl:



Als ich heimkam war es tatsächlich schon fast dreiviertel 8 also Brot hin, Fotoapparat her und zack ab zum Bus. Von Seefeld aus bin ich gleich umgestiegen in Richtung Mösern und hab mir dort als erstes eine gemütliche Runde um den See gegönnt nachdem ich meinen Baum begrüßt hatte. Blätter hat er schon lange keine mehr, aber er hält tapfer durch. Battered and bruised, just like me, but we bravely fight on ...




Möserer See:





















Inzwischen mußte ich heftig aufs Klo, am See waren jede Menge Leute ... also bin ich mal in das Restaurant Seestubn rein, bisher hatte ich mir immer nur den Wanderstempel geholt vor der Türe.

Möserer See, im Hintergrund die Seestubn:




Die Frau war aber total nett obwohl sie noch garnicht richtig aufhatten, brachte mir ein Wasser und hinterher konnte ich endlich ...





Selfie am Häusl:





Um einiges leichter marschierte ich frohgemut in Richtung Wildmoos und mußte dabei feststellen, daß man auf diesen Wegen lauter Blödsinn aufgestellt hatte.



Bereits am Möserer See waren mir zusätzliche Tafeln und Aussichtsplattformen aufgefallen, der steile Weg von vorn rauf mit den vielen Stufen heißt jetzt Wasserfallweg - haha - und hier oben hat sich dann einer total ausgelebt. Das reichte von Infotafeln über die Steinzeit bis hin zu einer Hängematte und zappeligen Balanceteilen beim Geiernest. Die Hängematte fand ich ja ganz putzig und hab mich eine Weile reingelegt. Schön. Fehlte halt jemand, der uns schaukelt. Alles muß man selbermachen. Doch, war wirklich angenehm, so im Schatten zu liegen und auf die hohen Tannen raufzuschauen, die Viecher surren einem um die Ohren - so geht Sommer!




Aber ansonsten find ich die Aufstellerei von zusätzlichen 'Attraktionen' ziemlich albern, die Gegend ist eh so schön, das muß langen!
Die Natur wird meiner Ansicht nach dadurch nur verschandelt. Ich hab lieber die Waldwege wie sie sind, ohne alle paar Meter ein knallbuntes Schild sehen zu müssen.






Herr Umnus als Deko reicht mir völlig aus.

An die zappeligen Balanceteile hab ich mich nicht so recht rangetraut, auf eins bin ich draufgestiegen weil es recht stabil ausschaute, ha! So kann man sich irren. Und je mehr man wackelt desto zappeliger wird der Untersatz! Naja, hab's dann doch geschafft, wieder abzuspringen. Oida. Respekt vor den Slacklinern.

Oben, zwischen Geiernest und Wildmoos, auf dem schmalen Pfad mit der herrlichen Aussicht - bisher einer meiner Lieblingswege - haben sie Schier in den Boden gerammt und eine Art Trail geschaffen, an dem entlang man den Fortschritt des Schiweitsprungs ersehen kann. An jedem Schi pickt ein rundes Taferl und da steht drauf wer wann wie weit gesprungen ist.
Ja muß ich das wissen???
Bisher hab ich dort oben einfach die wunderbare Vegetation und die Aussicht genossen und gut war. Aber nein, man muß ja alles versauen.


























Blick auf Seefeld vom Höhenweg:






Auf die Wildmooshütte sind wir auch gegangen, aber nun fühle ich mich nun wirklich verarscht von denen.




Wie ich herlaufe, sehe ich, wie ein Fiaker einen Becher Buttermilch getrunken hat dort oben. Buttermilch vom Spar. Die hat er sich ganz sicher nicht von unten mitgebracht!!!


Die verkaufen das Zeug da oben sauteuer als echte Buttermilch. Eh klar, daß die paar Kühe nie soviel Milch geben können, daß es für all die Leute langt, die dort einkehren. Aber die Budget Marke vom Spar? Lächerlich!!!

Immer geiziger werden sie auch: Nun soll man auch noch für den Begrüßungsschnaps zahlen, der bisher immer gratis gewesen ist.




Ab jetzt werde ich um diesen Laden einen weiten Bogen machen. Statt dessen kann man mit Mitgebrachtem schön am See sitzen oder drüben im Ferienheim einkehren. Dort ißt man gut und günstig.

Wildmoossee:


Weiter unten, an der Gabelung zu einem Weg, den früher kaum jemand kannte weil nicht einmal ein Wegweiser dran war, befinden sich sogenannte Wichtelliegen. Mit bunten Kopfteilen die ausschauen wie Wichtelmützen. Da soll man sich reinlegen und sich Gegensatzpaare ausdenken, diese aber nicht bewerten. Ja freilich.






Das Gegensatzpaar des Jahrhunderts auf einer der Wichtelliegen:






Mit dazugelegt hab ich mich dennoch, der Ev muß ja alles mal ausprobieren, also bequem liegt man auf alle Fälle, fast wär ich eingeschlafen.
Herr Umnus meinte er sieht Wölkchen und das könnte bald ein Gewitter geben, also sind wir weiter in Richtung Katzenkopf.

Meine Bank an der Kreuzung:



Weg zum Katzenkopf:









Am Katzenkopf:

Die Jausenhütte Hochmoos-Alm, ehemals Katzenkopfhütte:

Dort oben war ja die letzten Jahre ein gar seltsames Pärchen beheimatet. Wenn sie nicht da war, dann war er gesprächig, freundlich, alles gut. Aber kaum war sie wieder da, lief er nur noch mit einer bedröppelten Miene umeinander und sie keppelte in einer Tour. Na seavas.

Voriges Jahr wurde, so höre ich, die Katzenkopfhütte von einem einheimischen Investor übernommen (und die Kreith-Alm gleich mit, die hatte eine Frischzellenkur aber auch bitter notwendig!), und heißt seitdem Hochmoos-Alm. Das hatte den added Bonus daß wir uns gleich ZWEI Stempel in unser Heft machen konnten, der alte mit 'Katzenkopfalm' lag nämlich auch noch im Kästchen.




Man kann diverse Getränke dort bekommen, auch Kuchen und kleine Brotzeiten werden angeboten. Na, das ist doch mal was. Außer uns war jedoch nur noch das Pärchen gekommen das kurz zuvor hinter uns aus dem Wald gestiegen kam als ich grad heulend auf der Bank saß (wegen Gusti) - nirgends hat man seine Ruhe *grimm*. Sonst keine Gäste an diesem herrlichen Sommertag. Naja, viel war hier oben noch nie losgewesen, liegt halt ein bissl weitab - aber ich find für die grandiose Sicht auf die Berge lohnt sich der kleine Umweg dort hinauf allemal.




Die Hauptattraktion hier oben ist die Sommerrodelbahn. Nicht, daß ich jemals damit gefahren wäre, diese Dinger sind mir total suspekt, man weiß nie, wie gewissenhaft sie gewartet werden und wenn ich bremsen will und es geht nicht, dann ist es zu spät.

Mit diesem Lift werden die Rodel von unten dann wieder hinaufgeführt.







Hab mich dann beeilt nach Hause weil ich Angst vor dem herannahenden Gewitter hatte, die Wolken hatten schon einen SEHR dunklen Boden, aber da kam dann garkeins.






Hier sieht man sehr schön, wie die Rodel an den Kabinen hängen.




Am oberen Rand von Weidach wird fleißig gebaut.
Weiß noch wie ich mit Gusti hier gestanden bin im 12-er Jahr, wir sahen einen Mann mit einem Wiener Kennzeichen, wie er auf der Wiese am Waldrand umeinandergestiegen ist und irgendwas vermessen hat.
Da hab ich noch gesagt: Das schaut nicht gut aus.

Das Ergebnis haben wir hier:



 Und weiter unten wird weitergebaut, es nimmt kein Ende.



Anschließend war ich noch im Schwimmbad, danach immer noch kein Gewitter. Hm. Da hätt ich mich nicht so hudeln müssen, die Wichtelliegen waren echt bequem.

Mittwoch 8. Juli 2015:


Heute ständig durchziehende Gewitter, da geht man natürlich nicht zum Wandern. Also hab ich erst einmal genüßlich gefrühstückt (Joghurt mit drei Bananen, die müssen weg, werden rasend schnell reif bei der Hitze) und bin dann gemütlich zum Ganghofer-Museum hinübergewandert.


Dieses Museum gibt es bereits seit 1999, ich hab ihm bisher nur nicht weiter Beachtung geschenkt - ich mein, wer ist Ludwig Ganghofer? Ein alter Typ mit Bart der irgendwelche Heimatromane geschrieben hat. Also was wird da schon groß drinsein in so einem Museum?


Hah. Ich wurde sehr positiv überrascht heute, als ich aufgrund der schrägen Wetterlage nun doch einmal dieses kleine Museum aufsuchte welches sich in der ehemaligen Dorfschule befindet.Man erfährt nicht nur einiges über Herrn Ganghofer, u. a. daß er grauslich schlecht in Latein war, was ihn mir gleich wieder sympathisch macht (er war genauso wie ich in Augsburg am Gymnasium, allerdings wurde er rausgeworfen, ich bin freiwillig gegangen ...) oder daß er offenbar ein bissl zerstreut war und hier seine Brille und da sein Kapperl vergessen hat (so daß man beides heute in der Ausstellung betrachten kann).







In dem Museum sind obendrein auch noch jede Menge anderer zeitgeschichtlicher Exponate zu finden, beispielsweise alte Sägen, Hacken und Gewehre - fast kam ich mir vor wie im Schuppen meines Vaters ;-) und andere Geräte die früher von den Leuten - Handwerkern und Bauern - zur Arbeit benutzt wurden. 
































Weiters hat man jede Menge alter Dokumente zusammengetragen, beispielsweise alte Fotos aus der Gegend so daß man sehen kann wie sie damals ausgeschaut hat, oder einen Fahrplan von früher aus dem Jahre 1928. Damals fuhr dreimal am Tag ein Fuhrwerk von Seefeld Bahnhof nach Leutasch Post. Böse Zungen würden jetzt behaupten, daß der Postbus jetzt so viel öfter nun auch nicht fährt, aber immerhin mehrmals täglich und auch in andere Richtungen.

















































Der Jagd wird ebenfalls ausgiebig gehuldigt, hatte Herr Ganghofer doch oben im Gaistal, da wo jetzt die Tilfußalm ist, sein Jagdhaus Hubertus stehen wo sich die illustre Gesellschaft Deutschlands und Österreich die Ehre gab. Klar, seine Frau war Sängerin in Wien, da kennt man die Leut. Besonders gefallen haben mir die ausgestopften Tiere der Region, vom Prachtexemplar eines Steinadlers über Marder bis hin zum Dompfaff wurden sie alle liebevoll vor einer sehr naturgetreu dekorierten Wand aufgestellt bzw. -gehängt.




Auch ein Foto von der Haushälterin kann man betrachten, ihr Nachname ist, wer hätt's gedacht, Neuner. Ein gar seltener Name hier in der Gegend ;-)



































Ein sehr nettes kleines Museum und definitiv einen Besuch wert. Der Eintritt kostet 3 Euro, mit Gästekarte EUR 2.50, Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt, auf Anmeldung kann man auch eine Führung bekommen. Ist aber absolut nicht notwendig, hier braucht man keinen Führer oder gar eine Handy-App, es steht alles schön lesbar neben, über oder unter den Exponaten angeschrieben. Bis auf die Einträge in den alten Fotoalben - wer die lesen will sollte vielleicht doch die Uroma mitnehmen, die kann das Gescheibsel möglicherweise noch entziffern.

Im selben Gebäude befindet sich auch die öffentliche Leihbücherei, daher steht vor der Haustüre - überdacht und auch außerhalb jeglicher Öffnungszeiten zugänglich - ein Tisch mit ein paar alten Büchern die man sich so mitnehmen kann. Eine Art Bücherschrank ohne Schrank, sozusagen.

Hinterher hab ich mal den Milchautomaten ausprobiert, er funktioniert tatsächlich nur mit 20ct und 50 ct Münzen, also zwei 10 ct Münzen geht nicht, die Zehnerl fallen durch, die nimmt er nicht.

Die Milch um 20 ct paßt genau in einen der bereitgestellten Pappbecher und schmeckt absolut klasse.




Natürlich mußte ich auch in die Kirche, eine Kerze für Gusti anzünden und eine Runde heulen, kommen doch gerade hier in der Gegend auf Schritt und Tritt Erinnerungen an ihn hoch, weil wir hier soviel miteinander spazierengegangen sind und jede Menge miteinander erlebt haben. Im Urlaub hat er auch nie viel getrunken sondern war der gute Kamerad den ich mir eigentlich sonst auch gewünscht hätte.

Anschließend war ich noch im Schwimmbad, dachte wenn ich mal eher komme ist es noch nicht so lärmig - naja, ich dachte ...

Schwimmen macht hungrig somit gab es zum Mittagessen eine Ofenkartoffel mit Sauerrahm im McAlps, so heißt die Gaststätte im Schwimmbad seit kurzem. Nette Speisekarte, für jeden was dabei, ansonsten schaut's eh so aus wie vorher auch nur das Hinterzimmer schaut irgendwie edler aus mit den roten Polstern auf den Sesseln.

Eigentlich wollte ich noch nach Seefeld fahren und ein bissl Geld holen im Fall daß es doch nicht langt, aber bei dem Wetter trau ich mich nicht mehr raus, nicht daß mich doch noch der Blitz trifft.

Dafür wollte ich es mir daheim gemütlich machen - aber auch das sollte nicht sein. Punkt drei fing drüben jemand an mit der Kreissäge zu sägen. Ich hasse dieses Geräusch. Der sägte und sägte bis ich Schädelweh bekam und mich mit Ohrstöpseln fluchend ins Bett verzog. Kaum war der gegen halb 6 dann endlich fertig, begann in Richtung See hinten ein anderer Krach.

Ich war total fertig, auch wegen der Sache mit Cindy, die ja nun wohl vor ihren Ferien nicht mehr kommen wird und ich somit am Montag im Büro ein vollkommenes Chaos vorfinden werde, und obendrein die gesamte Arbeit der nächsten Wochen an mir hängenbleibt.

Hab nicht einschlafen können, hab nachts nochmal eine Schlaftablette nachlegen müssen, habe einen rechten Schmarrn geträumt von der Schertlinstraße, dort sah alles ganz anders aus, nur die Schule stand noch da wie früher. Die Häuser waren teilweise nur mehr Fassade und ich fand den Eingang nicht mehr von dem Haus in dem ich damals gewohnt hatte. Mein Vater hatte mich losgeschickt mit einem Zettel, auf dem die Nachbarn einen Unfall bezeugen sollten der vor 30 Jahren stattgefunden hatte damit er das Geld das er für meine Arztkosten bezahlt hat, von der Kasse zurückbekommt.

Hab im Traum lauter Leute von früher getroffen, Peter kam um die Ecke wo damals das Schweizerhaus war, auch ein nettes Mädel hatte ich getroffen von früher, alle sollte ich hier und da treffen, aber die Ereignisse spülten mich weiter ... schließlich stieß ich auf eine Frau die einen der Namen auf meinem Zettel erkannte und sich erbot, mit mir dorthinzufahren.


Donnerstag 9. Juli 2015:

Heute hatten wir ein richtiges Abenteuer.

Und ich meine nicht das Schwimmbad in der Früh, so langsam gewöhne ich mich daran, daß dort einfach ein unmöglicher Lärm herrscht, man kann es ja nicht ändern.

Nein, ich meine die heutige Wanderung.

Zuerst sind wir von Weidach über den Katzenkopf in Richtung Wildmoos wo die Wichtelliegen stehen, natürlich mußten wir uns auch wieder ein paar Minuten hinlegen, und bis dahin war das Wetter noch SEHR bewölkt und mir ist teilweise zweierlei geworden - es waren zwar keine Gewitter angesagt aber das kann sich hier in der Gegend SEHR schnell ändern.

Als wir jedoch in den Weg nach Neuleutasch hinunter abbogen, wurde es immer sonniger, ich konnte ein paar herrliche Bilder machen, da wird sich Mama freuen, die ist den Weg ja damals schon mit uns gegangen, da war noch kein Wegweiser und nix dran, geschweige denn Wichtelliegen.

Unten an der Straße angekommen, beschloß ich, bei der Haltestelle Unterkelle in die Straße reinzugehen wo die Leut wohnen, der Weg über die Säge wäre mir zu einfach gewesen. Und ab da nahm das Unheil seinen Lauf.



An der nächsten Kreuzung nämlich, anstatt nach rechts den Gustischeißweg entlang zu gehen und dann bei der Säge links, lief ich gradaus weiter in Richtung Gießenbach, im festen Glauben, daß auch dieser Weg bald eine Abzweigung nach rechts in Richtung Bodenalm bekommen würde und das nur auf dem Schild nicht draufstünde.

Aber von wegen.

Ich lief und lief und lief und bekam immer mehr Durst, denn ausgerechnet heute hatte ich mir kein Wasser mitgenommen. Es war ja als wir mittags weggingen noch kein bißchen sonnig oder warm gewesen, die paar Meter bis zur Bodenalm, dachte ich ...


Na, und so wanderte ich dahin, sah rechts unten meine Bodenalm vorbeiziehen und wurde immer schneller, weil ich halt ANKOMMEN wollte, weil ich einen tierischen DURST hatte. Eine Zeitlang war mir auch ein wenig unheimlich - ich mein einerseits wußte ich genau wo ich war, andererseits war mir der Weg an sich völlig unbekannt und ich dachte was mach ich wenn der jetzt völlig woanders hinführt?

Was ein Blödsinn ist, spätestens an der Hauptstraße vorn hätten wir die Möglichkeit gehabt, den richtigen Weg einzuschlagen und zurückzulaufen, aber den Göttern sei Dank kam dann doch vorher eine uns bekannte Abzweigung und wir mußten nicht GANZ soviel zurückgehen. Immerhin noch ein gutes Stück, wobei wir grad noch einen neuen Weg entdeckt haben, der auch sehr hübsch zu gehen ist. Falls wir mal wieder in Richtung Gießenbach wollen sollten. Was ich nicht so recht glaube.




Na, endlich Bodenalm.



Ah, da schmeckte die Buttermilch nochmal so gut! Nach kurzer Rast ging es dann durch den Wald zurück nach Seefeld, ein Katzensprung gemessen an der langen Hetzerei zuvor.



Wenn man EINMAL nicht auf die Karte guckt weil man meint man kennt sich eh aus.

Das alte Hotel steht auch noch, möchte echt wissen was das werden soll. Seit Jahren diese Ruine hier am Waldrand. Die Preise auf dem Taferl sind noch in Schilling!





















Auf dem Weg zum Bahnhof über den Dorfplatz marschiert - wenn wir jetzt noch hier wohnen würden, wären wir schon daheim ...





Aber der Bus war pünktlich und wir bald darauf zuhause. Ah, so eine Wanderung ist manchmal doch am schönsten, wenn sie zuende ist.




Freitag 10. Juli 2015:

Heute wieder voll mies gepennt, aber ging dann schon mit Nachlegen eines kleinen Stückchens Tablette.

In der Früh nicht so recht in die Gänge gekommen, daher erst mit dem 10 Uhr Bus nach Salzbach gefahren.



Gleich mal auf den Spielplatz, ein bissl an der Pumpe herumgespielt und auf die untere Liege gelegt.





Wäre am liebsten liegengeblieben, war so gemütlich ... aber ich wollte doch Fotos machen.

Also rauf und den üblichen Rundgang - Gaistalalm, Tilfußalm und zurück. Mann, das war ein Wetterchen! So wunderschöne Fotos hab ich dort oben noch nie machen können. Ich war begeistert!






































































































 Gaistailalm



















 Hubertushütte, da hat der Ganghofer gewohnt




 Gastgarten Tilfußalm




  Häuslselfie



























Warten auf den Bus am Wasserspielplatz Salzbach:

















Grad hab ich was total Lustiges gesehen: Da steht einer am Balkon, hat einen Tennisball mit einer elastischen Schnur an seinem Kapperl befestigt und haut also auf den Tennisball, den pfitzt's weg, kommt wieder, er haut wieder drauf, und das so lange bis er danebenhaut und er die Schnur um den Hals gewickelt kriegt, dann geht's von vorne los. Das schaut SO blöd aus echt, dafür würd ich in den Keller gehen.

Abschließend bin ich heute noch gemütlich nach Kirchplatzl rüber und hab meine Joghurtgläser im Bauernladen abgegeben.



Es war noch Kuchen da, der sah sehr lecker aus, also nahm ich mir noch ein Stück mit und bekam sogar zwei Euro 20 raus. Um die 20 ct hab ich mir um die Ecke einen Becher Milch aus dem Automaten gezogen und hab mich auf ein sonniges Bankerl vor das Museum gesetzt um gemütlich den Kuchen und die Milch zu verspeisen. Herrlich! An so ein Leben könnt ich mich gewöhnen. Immer nur dahin fahren wo's grad schön ist und dort Fotos machen und blöde Sprüch drunterschreiben.



Diese Woche war leider viel zu kurz und ich mußte immer wieder entweder an Gusti denken oder an die viele Arbeit die ab nächster Woche auf mich zukommt. Wirklich erholt hab ich mich also nicht.

Naja, aber schön war es schon, und ich hab wieder viele Anregungen gesammelt für das nächste Mal. Es gibt ja soviele Wege hier. Zwar kenne ich die meisten schon, und die, die ich nicht kenne, gehe ich deswegen nie weil sie mir zu schwierig sind, aber da geht sicher noch einiges.

Hier wie immer all die anderen Bilder die ich während dieser Woche noch gemacht habe:

Leutasch Teil 1

Leutasch Teil 2

Sonntag, 28. Juni 2015

Bad Wurzach 23-27 Juni 2015

Von Bad Wurzach werden die meisten von euch jetzt noch nie was gehört haben; ich selbst habe über die Stadt - eigentlich ist es eher ein Dorf, aber als Großstädter vertut man sich da leicht - im Fernsehen erfahren, es wurden so verlockende Bilder über die Wanderwege im Ried gezeigt, daß ich sofort Lust bekam, mir den Ort einmal anzusehen.

Am ersten Tag macht man ja noch nicht viel, man schlendert durch den Ort, orientiert sich ein bissl, schaut wo man einkaufen kann


und wo es Eis gibt.


Ich war von den vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten fast ein bissl erschlagen. In so einem kleinen Ort erwartet man sich einen Supermarkt, vielleicht noch den einen oder anderen Spezialitätenladen und dann aus. Nicht so in Bad Wurzach. Dort fängt's unten gleich einmal an mit einem Rewe der bis 22 Uhr auf hat. Ich mein, 22 Uhr, sowas kenne ich bislang nur aus Frankfurt. Leider hat der Rewe dann aber warentechnisch nicht besonders viel Brauchbares zu bieten - was aber garnix macht weil gleich über die Straße der Edeka Jäck ist. Und DORT kann man wirklich alles bekommen was man so braucht. Für die besonderen Geschmäcker gibt es noch einen Bioladen zwischendrin, klein aber fein, der führt die gängigen Bio-Artikel und hat an der Theke auch einen Kaffee-Ausschank (natürlich alles ganz fair und supergut getraded) und Bottiche mit offenen Oliven.
Gleich neben dem lange geöffneten Rewe befindet sich ein Bevi Getränkemarkt, dieser führt eine ausgezeichnete Auswahl an Bieren und es gibt sogar den einen oder anderen Wein den man im Notfall einmal probieren könnte. Ebenfalls werden Cocktails (fertig gemixt) angeboten, und das Personal ist ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Lieferdienst gibt es keinen, aber so lange war ich ja dann auch nicht vor Ort ;-)

Eigentlich eine gewagte Plazierung, da der Rewe einen eigenen Getränkemarkt grad um die Ecke gelegen hat, aber dort hat es mir nicht gefallen, also immerhin starke Konkurrenz.

Weiter oben im Gewerbegebiet hat's NOCH einen Edeka, einen Aldi und einen Lidl, und an dem Ende an dem ich gewohnt hatte liegt dann auch noch ein Norma. Also Bad Wurzach laßt wirklich nix aus, sogar einen Drogeriemarkt Müller gibt es. Obendrein noch mehrere kleine Geschäfte, einen Schreibwarenladen hab ich gesehen, einen Käseladen, einen Handyladen etc. pp. - nur der Buchladen war ausgeräumt und verbarrikadiert, den braucht wohl keiner mehr in Zeiten von Internet und Bücherkisten.

Untergebracht war ich in der Ferienwohnung der Familie Vogler und ich muß sagen, hier habe ich eine gute Wahl getroffen. Das Ehepaar ist ausgesprochen nett, holt die Gäste am Bahnhof ab und bringt sie am Abreisetag auch wieder hin. Es war absolut ruhig dort, die Küche war mit allem ausgestattet was der Mensch braucht, die Betten bequem und das Bad hochmodern.
Zwar ist das Haus am Stadtrand gelegen, aber dafür eben absolut ruhig was mir ja sehr wichtig ist, schließlich wollte ich meine Nerven beruhigen und einfach mal total ausspannen.

Das erste Highlight hatte ich in der Tourist-Info. Die größte Attraktion des Ortes ist nämlich das Torfbähnle, die Leute kommen, wie ich später feststellte, per Bus extra deswegen hierher, besuchen das Torfmuseum und fahren eine Runde mit dem Bähnle. Nun sind die öffentlichen Fahrten nur an bestimmten Wochenenden, unter der Woche fährt es nur auf Vereinbarung für Großgruppen, die es vorab gemietet hatten. Ich war aber nun mal von Di bis Fr hier. Im Internet hatte ich gelesen, daß bei den Fahrten oft mal Einzelplätze übrig sind und man ruhig nachfragen könne.
Dies wollte ich in der Tourist-Info machen in der Hoffnung, daß man dort die Übersicht über die geplanten Fahrten hätte.

Leider bekam ich nur einen Flyer in dem die Telefonnummer des Koordinators stand.
Ich dann so: Ok, wo ist denn hier im Ort eine öffentliche Telefonzelle?
Und dann ging das große Rätselraten los.
Das Mädel, das mich bediente, hatte ein riesiges Fragezeichen im Gesicht und mußte ihre Kollegin zu Rate ziehen: Du, woisch du wo mir do hanna a Telefoooonzälle han?
Die Kollegin überlegte: Hm, also, oba beim Kurzentrum war amol oine, aber I glaub die isch nemme do. Die dritte Kollegin wurde auf den Plan gerufen: Wo hend mir denn no a Telefooonzälle in Bad Wurzach? Die Kollegin überlegte ... I glaub hinder'm Amtshaus, do hän I amol oine g'säa, aber I glaub dia isch do nemme ...

Es wurde hin- und her überlegt, die zweite Kollegin fragte mich, ob man heutzutage mit Karte oder mit Geld telefonieren würde, ich sagte mit Geld weil sich das mit den Karten nicht durchsetzen konnte, die waren immer abgelaufen bevor man sie aufgebraucht hat, dann hat man sich den Betrag auf der nächsten Karte, die man kaufte, gutschreiben lassen können und so ging das fort bis man eine Telefonkarte mit 100 Euro oder so hatte, die man nie abgelefoniert hat.
Ja genau, meinte Kollegin Nummer zwei, so war des, und da hann I dann aufgäbba und hann mir a Handy kauft.

Ich war gerührt über das redliche Bemühen der Damen aber auch höchst amüsiert über die Tatsache, daß wohl wirklich kein Mensch außer mir mehr nach öffentlichen Telefonen fragt, wo doch in Bad Wurzach soviele alte Leute zur Kur sind. Haben die alle ein Handy?

Ich bin dann weiter in Richtung Marktplatz geschlendert und siehe da, mitten auf dem Platz, gegenüber des großen Brunnens, steht eine Telekom-Säule. Hah. Haben die Götter die rasch nur für mich hingestellt oder sind die Bad Wurzacher alle so beschäftigt damit, das 30 km Gebot zu übertreten, daß sie nicht mehr nach rechts oder links gucken können?

 Hier steht sie, ganz rechts beim weißen Auto, direkt am Straßenrand.


Nun, das Bähnle. Ich hab natürlich NICHT angerufen (wer mich kennt weiß, daß ich Telefonieren nicht ausstehen kann) sondern bin auf meinem ersten Spaziergang, der idealerweise am Torfmuseum vorbeiführte, am Rückweg (in der Früh war noch niemand da) einfach mal hingegangen, es saßen zwei Männer vor der Türe in der Sonne, und hab sie gefragt, wie es ausschaut mit Mitfahren.

Wie es sich so ergab, war grad bei der nächsten Fahrt noch was frei, ich mußte lediglich eine Stunde warten, und da ich sowieso etwas essen wollte, habe ich diese Stunde im Gastgarten vom Wurzelsepp verbracht, der direkt neben dem Museum liegt. Hammer-Salat, superlecker!


Um 13 Uhr war es soweit, die Leute von der vorherigen Fahrt kamen um die Ecke gebogen


Wir stiegen voller Vorfreude ein und los gings ...



... durch das schöne Bad Wurzacher Ried. Es hatte ja geheißen, die Fahrt dauert 50 Minuten und da freut man sich natürlich auf eine ausgedehnte Fahrt mit der Ruckelbahn (für Leute die's am Kreuz haben ist das hier eindeutig nicht zu empfehlen!) aber nix da. Die Bahn fuhr ein paar Meter am Fußweg entlang, bog dann vor dem Stuttgarter See nach rechts ab, es ging durch ein Tor in das ehemalige Torfausheb-Gebiet, dort zuckelte man einmal um stehengelassene Arbeitsgeräte herum


und kam dann zum Stehen. Einer der beiden Museums-Mitarbeiter sprang ab und begann das Schmähführen: Dies ist die Stelle, wo uns normalerweise der Sprit ausgeht ...


... und lustig weiter ging's mit der Geschichte des Rieds, und warum eine Gruppe von Rentnern sich entschlossen hatte, dieses Museum zu errichten und dann auch noch ein Bähnle zu bauen. Man konnte ihm nicht lange böse sein, er hat SO spaßig erzählt, und in mir stieg die Hochachtung auf vor diesen alten Männern die, statt ihren wohlverdienten Ruhestand zu genießen, sich täglich in den Dienst des Tourismus stellen indem daß sie Massen an Besuchern durch das Museum führen und hinterher mit dem Bähnle umeinanderkutschieren. Man erfuhr, wie sie die Schienen zurechtgebogen haben damit sich ein Kreis ausgeht, man wußte anschließend warum das Schwarze Meer schwarz ist (weil die Wurzacher Ach, die ja das braune Torfwasser führt, in die Iller fließt, diese bekanntermaßen in die Donau und wo die hinführt wissen wir schließlich alle ...)

Im Museum selbst war ich jetzt nicht, wie gesagt das ist für die Öffentlichkeit nur am Wochenende zugänglich, aber die Führung dort war sicher auch was zum Lachen. Meine Nachbarin erzählte mir allerdings, daß man drin kaum was verstanden hätte da die Gruppe doch recht groß war und immer nur wenige direkt am Leiter der Exkursion dran waren.

Nach der Fahrt durfte ich noch mitansehen, wie das Bähnle nach Ende seiner Tagesarbeit in seinen Schuppen zurückgekarrt wurde.


Das Torfmuseum liegt direkt beim Torflehrpfad welcher am Ufer des Riedsees beginnt.
Eine wunderschöne Landschaft, wie geschaffen um sich einfach nur auszuruhen, die Seele baumeln zu lassen, den Vögeln zuzuhören und den Libellen nachschauen. Angeblich gibt es, zumindest hat das der Schmähführer behauptet, 50 Libellenarten im Ried von den insgesamt 70 die es überhaupt gibt.


Entlang des Torflehrpfades stehen immer wieder Täfelchen, auf denen der geneigte Besucher Wissenswertes erfahren kann.


 Oder einfach vorbeigehen und sich ein schönes Bankerl aussuchen.


Der Torflehrpfad ist ein Teil des Wanderwegs Nr. 1 und man kann dort einen sehr schönen ersten Eindruck von der herrlichen Naturlandschaft des Rieds bekommen.
Und die Ruhe. Vor allem die Ruhe. Ich hab mich die ganze Zeit gewundert, warum hier, wo es doch so wunderschön ist, so wenig Leute unterwegs sind.
Ich mein, mir war das ja recht. In München ist jedes hübsche Plätzchen bei schönem Wetter total überlaufen, so daß man selber nicht mehr viel davon hat.
Hier dagegen - nix. Alle Stunde oder so begegnet man mal einem fidelen Rentnerpärchen oder einer frustrierten Handarbeitslehrerin, ansonsten hat man die ganze wunderschöne Landschaft für sich alleine. Gut, hier in der Nähe des Orts tummeln sich dann tagsüber schon ein paar Leutchen - aber wenn man etwas weiter hinausmarschiert: Ruhe, Natur, und lauter putzige Tierchen. Salamander sonnen sich auf den Bohlenwegen, kleine Fröschchen humpeln über den Weg, jede Menge Schmetterlinge und Libellen und Grashüpfer und Vögel und und und ...

Natürlich gibt es auch weniger putzige Tierchen, beispielsweise Schlangen, daher empfiehlt es sich, auf den Wegen zu bleiben, auch wenn der Schmähführer gemeint hatte, man kann im Moor nicht mehr versinken. Die Schlangen sind allemal noch da.

Vor allem jedoch gibt es hier Gelsen. Viele Gelsen.
Mir machen die ja eigentlich nicht so viel, aber sogar ich hatte nach den drei Tagen meiner Wanderschaft hier einige wunderschöne Stiche abbekommen.
Den Gelsen wird sogar ein eigenes Fest gewidmet: Am 4. Juli wird das Schnakenfest gefeiert (die Gelsen heißen hier Schnaken, was sie auch nicht freundlicher macht), na dann viel Spaß!

An einem kleinen Bächlein kam mir ein rüstiger Rentner mit seiner sehr leicht bekleideten Frau entgegen und meinte, mit Blick auf meine langärmelige Jacke:

Sie, des Jäckle isch fei ned guat für dia Gegend do.
Ich, total verunsichert: Äh, wieso?
Er: Ha, weil die Schnoka Sie dann ned schdecha kenna *prust*
Ich so: Naja, dann is das höchstens ned gut für die Schnaken ...

Anscheinend war seine Frau sehr tierlieb, so offenherzig wie sie ihre Oberfläche den blutrünstigen Gesellen dargeboten hat.

So, was ist noch so los in Bad Wurzach?
Nicht so richtig viel. Hier kann man hauptsächlich Kuren machen, mit Moorbädern und allem Pipapo, aber soweit bin ich dann doch nicht gegangen, auch das Vitalium habe ich mir noch nicht angeschaut sondern mit dem örtlichen Hallenbad vorlieb genommen.


Was vielleicht insgesamt doch keine so supergute Idee war - das Becken ist recht klein und die Wasserhöhe extrem niedrig, als Erwachsener kann man auch ganz hinten noch stehen es sei denn man ist nur 1.60 Meter groß. An der Seite sind zwei Bahnen für Sportschwimmer abgetrennt, der Rest des Beckens wird meist von Kindern beherrscht. Bereits am Freitag konnte ich nur schwimmen, weil lediglich eine Sportschwimmerin da war und ich mich hinter die Absperrung gemogelt habe. Möchte nicht wissen, wie es dort Samstag oder gar Sonntag ausschaut, und das obwohl am Freitag das Wetter wunderschön war und das angrenzende Freibad geöffnet war. Da sollte man doch glauben, die Kinderlein spielen lieber draußen? Nöö, tun sie nicht.

Was ich auch recht putzig fand: Wenn sich jemand die teuren Moorbäder sparen möchte, kann er am Riedsee kostenlos durch den Gatsch marschieren


 und kann sich hinterher hier seine Füß wieder sauberspülen.


Faszinierend fand ich auch, daß überall Blaubeeren wachsen, im Wald oben fand ich auch jede Menge kleiner, süßer Walderdbeeren, sonnenwarm ein Genuß!
Andernorts wenn man spazierengeht dann sind die Beerensträucher bereits abgeerntet, zumindest die am Wegrand. Da kennen die Leut nix.
Hier nicht.
Alle noch dran.
Ist das Beerenpflücken inzwischen auch verboten und ich hab's nur nicht mitbekommen?
Well, sue me then - die Beeren waren urlecker!

Vielleicht liegt es daran, daß hier soviele alte Leute rumlaufen. Die bücken sich nicht mehr so leicht. Und die Kinder heutzutage haben ja keine Ahnung, denen müßte man schon eine Heidelbeeren-App auf's Handy drauftun, damit sie erstmal schnallen, was sie hier vor sich haben.

Klar, logisch, da war doch diese Geschichte mit dem Fuchsbandwurm.
Hat's den früher nicht gegeben?

Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier gezielt jemand versucht, uns die guten alten, vor allem kostenlosen Freuden unserer Kindheit eine nach der anderen madig zu machen.

Waldspaziergang? OMG, nur nicht, da beißt dich der Zeck und dann kriegst Meningitis! Es sei denn du bist geimpft. Dann darfste. Aber da gibt's halt immer noch die Borreliose, wenn du die bekommst, dann läufst erstmal garnirgends mehr hin.

Enten füttern? Bist deppat? Da werden die krank davon und die Gewässer werden total dreckig und verseucht. War früher selbstverständlich nicht so - oder es hat keinen gestört?

Beeren pflücken im Wald? Aber ja nicht! Da läuft immer der Fuchs drüber und legt hinterlistigerweise seine Bandwurms-Eier überall hin. Und DIE wenn du mitißt, huhu ... ganz gefährliche Sache.

Klar ist Echinokokkose eine saufiese Krankheit, die will keiner haben, aber es gibt nach wie vor keine eindeutigen Hinweise darauf, daß das Sammeln und Essen von Beeren oder Pilzen die Infektionsgefahr erhöht.

Also echt. Hauptsache die Leute konsumieren tüchtig und fressen den Dreck den ihnen die Lebensmittelindustrie vorsetzt. Wie krank ist DAS denn?

Aber zurück zu Bad Wurzach:

Der Ort selber hat ein sehr nett hergerichtetes Zentrum, eine der vielgepriesenen Sehenswürdigkeiten ist das Barocktreppenhaus im Schloß:



Dieses Treppenhaus wird heute als Standesamt genutzt, find ich witzig, da spart man sich die Fotosession hinterher - kann man direkt während der Zeremonie erledigen.

Über die Geschichte des Schlosses werde ich hier nichts schreiben, die kann man in jedem Stadtführer und auch online nachlesen. In einem Seitenflügel ist eine kleine Kapelle untergebracht, dort hab ich ein Kerzerl für Gusti angezündet, wie ich das in Kirchen ja immer mache.


Besonders witzig fand ich folgende Skulptur - und hab mir gedacht, daß Alfred Dorfer sicher auch einmal hiergewesen ist und davon zu seinem kleinen Sketch 'Die Heiligen Drei Könige' inspiriert wurde ;-)



Die katholische Kirche St. Verena ist ringsum fast immer zu sehen und auch zu hören, so weiß man stets wie spät es ist auch wenn man keine Uhr dabeihat.


Innen ist sie recht hübsch eingerichtet, besonders gut getroffen (no pun intended!!!) fand ich den Hl. Sebastian. Der schaut doch glatt so aus, als wenn ihm das auch noch Spaß machen würde, sich von Pfeilen durchbohren zu lassen???


Direkt neben der Kirche, sozusagen im Hinterhof, befindet sich die Seelenkapelle, welche als Gruftkapelle der Nonnen des benachbarten Klosters diente. Sehr hübsch und innen ausreichend grauslich, vor allem unten. Die Nonnen fanden das wohl auch und haben, so lese ich, das Weihwasser für die verstorbenen Schwestern von der Kapelle aus durch ein Gitter im Boden gekippt, damit sie nicht in die Gruft runtersteigen mußten.



Oben auf dem Gottesberg gibt es noch eine Kirche, eine Wallfahrtskirche Gottesberg, die zum Salvatorianerkloster gehört.


Dort hat es mir leider nicht gefallen. Außen wird gerade gebaut, innen ist die Kirche für eine Wallfahrtskirche relativ schlicht eingerichtet, es gibt weder Kirchenführer noch Postkarten, dafür liegen überall Bettelschriften aus, weil die Kirche Geld braucht.
Ja freilich.
Der Vatikan hat seine Finger überall drin, sogar im Kondomgeschäft höre ich, aber sobald eine Pfarrei Geld braucht dann muß man die Leute anbetteln und zieht im Endeffekt den armen alten Mütterlein, die sich jeden Tag den Hügel hochquälen, auch noch den letzten Pfennig aus der Tasche.
Find ich echt sowas von schiach!!!

Naja, immerhin kann man eine Kerze anzünden. Es ist meist jemand drin wenn man reinkommt, es wird jeden Morgen eine Messe gelesen und abends wird der Rosenkranz gebetet (ohne Pfarrer).

Zur Kirche hinauf säumen Kreuzwegstationen den Weg, man kann hier nicht umhin festzustellen, daß das Verhältnis zwischen Jesus und Judas ein ganz besonderes gewesen sein muß.


Ansonsten bin ich sehr gerne über den Gottesberg gegangen wenn ich nach dem Schwimmen und dem Einkaufen nach Hause wollte. Es ist vielleicht nicht unbedingt schneller als außenherum aber ganz sicher viel netter zu laufen.


In Bad Wurzach ist es nämlich so, daß die Leut grundsätzlich fahren 'wia dia g'sengte Sei' wie man in der dortigen Mundart wohl sagen würde - also keineswegs die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer einhalten (da sieht man natürlich auch keine Telefonhäusln am Straßenrand ...) - und dadurch daß es so gut wie nirgends Ampeln gibt (außer vor der Schule) kommen so zaghafte Leute wie ich einfach nicht über die Straße. Dann doch lieber über den hübschen Berg steigen und die Aussicht genießen.

Hier oben befindet sich auch der Friedhof, der leider keine besonderen Attraktionen zu bieten hat.


Ruhig ist er halt, aber das ist Bad Wurzach außerhalb seines Ortskerns sowieso überall, und genau das macht seinen Reiz aus. Auch scheint hier die Zeit stehengeblieben zu sein. Würden nicht überall moderne Autos umeinanderfahren könnte man fast glauben, eine Zeitreise in die 70-er gemacht zu haben. 


Auf der Straße grüßt einen jeder, sogar die vorbeirollernden Kinder. Die kleinen Dörfchen um Bad Wurzach herum haben teilweise nicht einmal eine Bushaltestelle, geschweige denn einen Wirten.
Daher ganz wichtig: Auf die Wanderung immer ausreichend Proviant mitnehmen, denn Gasthöfe sind in dieser Gegend dünn gesät, und selbst wenn vorhanden, nicht immer geöffnet.

Dafür gibt es einzelne geschäftstüchtige Bauernleute wie beispielsweise hier in Riedschmiede (bei Haidgau). Da sitzt die Oma vor der Türe und sieht dem (Stamm?)gast beim Biertrinken zu. Ich war mir beim Vorbeigehen nicht sicher, ob es sich hier um ein öffentliches Gasthaus handelt oder ob sich einfach nur das Ehepaar von der anstrengenden Arbeit ausruht - aber auf Nachfrage wurde mir bestätigt, daß auch der müde Wanderer hier etwas zu trinken bekommen kann.


Wer nun noch mehr Bilder von meinen Spaziergängen durch Bad Wurzach und vor allem das märchenhafte Ried sehen möchte, hier der Link zu flickr: